Beziehungsgewalt

Forum 2

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des Verfahrens in Familiensachen will dem Gericht die Befugnis einräumen, die Ehegatten mit dem Ziel einer gütlichen Regelung der Folgesachen zu einem Informationsgespräch über Mediation zu verpflichten. So weit - so gut. In der Begründung heißt es indes zur Erläuterung des richterlichen Ermessens, in Fällen häuslicher Gewalt könne ein solches Gespräch unzumutbar sein.
Gewalt ist ein Hinweis auf ungleiche Machtverhältnisse - in der Regel zu Lasten der Frau. Dieses Machtgefälle erlaubt kein gleichberechtigtes Verhandeln, müsste also mitbedacht werden und einen Ausgleich erfahren. Kann die Mediation das leisten? Woran erkennt der Familienmediator den Gewalthintergrund? Wie kann die Mediatorin die Gewaltproblematik im Interesse der Medianden einbeziehen und bestenfalls lösen? Mit welchen methodischen Besonderheiten lässt sich die Mediation im Gewaltkontext zum Erfolg führen? Welche Bedingungen sind für eine Mediation vor diesem Hintergrund hilfreich?
Bei der Familienmediation ist die Beziehungsgewalt Rahmenbedingung, für den Täter-Opfer-Ausgleich ist sie Anlass. Auch bei Letzterem stellt sich indes die Frage nach Nutzen und Grenzen eines Gesprächs vor einem Gewalthintergrund. Parallele Besonderheiten bestehen auch zu Fragen des Mediationskontextes (zwischen "Zwangskontext" und "Freiwilligkeit"), des Settings, der Methodik und der Sicherung der Nachhaltigkeit.
Die Erfahrungen des Täter-Opfer-Ausgleichs und der Familienmediation im Umgang mit Beziehungsgewalt wollen wir austauschen, vergleichen und für übergreifende Lösungsansätze nutzbar machen. Wir möchten das Thema methodisch anhand von Fallbespielen, kurzen Inputs und Übungen gemeinsam erarbeiten.

Referenten
Christian Richter, Dipl.-Sozialpädagoge, Mediator, Waage e.V., Hannover
Olaf Schulz, Dipl.-Sozialpädagoge, Mediator, Familientherapeut, Potsdam
Moderation
Andrea Buskotte, Landespräventionsrat Niedersachsen, Hannover