"Darf mein Meerschweinchen auch mit zum Papa?"

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In Familienmediationen spielen Kinder und Jugendliche regelmäßig eine wichtige Rolle, nicht selten stehen sie im Mittelpunkt elterlicher Auseinandersetzung. Häufig ist eine langfristig tragfähige Lösung nur möglich, wenn auch die Interessen und Bedürfnisse der Kinder angemessen und ausgewogen berücksichtigt werden.
Es liegt deshalb nahe, in der Mediation nicht nur über die Kinder zu reden, sondern sie auch unmittelbar einzubeziehen. Dem begegnen aber viele Mediatorinnen und Mediatoren skeptisch. Sie bezweifeln, dass dies für die Bewältigung der Konflikte und Schwierigkeiten, in denen die Kinder stecken, sinnvoll ist. Sie befürchten eine emotionale Überforderung der Kinder oder eine Verstärkung ihrer Loyalitätskonflikte.
Kinder sind vor, während und nach der Trennung ihrer Eltern oft großen Belastungen ausgesetzt, sie sind verunsichert, orientierungslos und mit mancherlei Veränderungen konfrontiert: Wohnortwechsel, neue Partner der Eltern, Verlust des sozialen Umfeldes usw. Sie reagieren teilweise mit Schlafstörungen, Anklammern oder Schuldgefühlen, sie fallen in der Entwicklung zurück oder werden aggressiv und auffällig oder überangepasst, in freilich differenzierter Auswirkung, je nach Alter, Reife, Geschlecht und auch Vorbelastungen.
Die Eltern haben es in der Hand, ihre Kinder zu entlasten und ihnen Sicherheit zu vermitteln, dass sie die Verantwortung für die Lösung ihres Konfliktes selber tragen, ohne dabei die Belange der Kinder aus den Augen zu verlieren.
Hierbei kann die unmittelbare Einbeziehung der Kinder in die Mediation sehr hilfreich sein. Sie erleben, dass ihre Bedürfnisse gehört und ernst genommen werden, sie können sich beiden Eltern gleichermaßen mitteilen. Ihre Eltern bekommen von ihnen "Hausaufgaben", sich um die Lösung bestimmter kindlicher Probleme zu kümmern.
Die Kinder werden entlastet, wenn sie erleben, dass es einen Ort gibt, an dem die Eltern noch miteinander reden und eine Lösung erarbeiten. Die Eltern erhalten einen neuen Zugang zu ihren Kindern und einen neuen Blick auf die Probleme. Sie gehen in ihrer Elternverantwortung gestärkt aus dem Mediationsprozess heraus und können sich an der Kreativität ihrer Kinder erfreuen, die mitunter überraschende Optionen entwickeln.
Die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen kann nur behutsam erfolgen. Sie verlangt daher Kenntnis über ihre Situation und stellt besondere Anforderungen an Methoden und Techniken der Mediation. Diese wollen wir mit Hilfe erfahrener Referentinnen praxisnah erarbeiten und vertiefen.

Referentinnen
Cornelia Sabine Thomsen, Rechtsanwältin, Mediatorin, Mediationssupervisorin
Andrea Wagner, Dipl.-Sozialarbeiterin, Mediatorin, Mediationssupervisorin, Frechen
Moderation
Dr. Dietmar Brosche, Stellv. Direktor des Amtsgerichts, Göttingen